Tagung der VdS-Fachgruppe 'Kleine Planeten' 

vom 8. bis 10. Juni 2001 in Berlin

Archenhold-Sternwarte Berlin Treptow



 
 

 
Bericht über die vierte Tagung der FG Kleine Planeten des VdS

In einer Baustelle des Asteroiden-Wissens

von Markus Griesser, Sternwarte Eschenberg, Winterthur (Schweiz)

Am 9. und 10. Juni genossen die Asteroiden-Freunde des deutschen Sprachraums Gastrecht in der Archenhold-Sternwarte, Berlin-Treptow. Dank der sorgfältigen Vorbereitungsarbeit von Andreas Doppler und seinen Helfern aus dem Team der Archenhold-Sternwarte und auch dank der vielen interessanten Referate wurde die Tagung erneut zu einem Erlebnis. Die vielen in der Bundeshauptstadt sichtbaren Baukräne waren dabei geradezu ein Sinnbild für diese Tagung, sind doch auch die Beobachter von Kleinplaneten in ihren heimischen Baustellen laufend gezwungen, ihr Fachwissen zu renovieren. Für die dazu notwendigen Planungsunterlagen und Baustoffe bietet die Tagung der Fachgruppe jeweils eine exzellente Gelegenheit. Und da sie immer in den "weissen Nächten des Jahres" (Juni + Vollmond) stattfindet, bleibt genügend Zeit, das renovierte Wissen gleich gebündelt einzufahren. Wer den Kontakt zu Gleichgesinnten mag, ist hier, im ungezwungenen Rahmen dieser Jahrestagung, ohnehin immer an der richtigen Adresse.

Immerhin mag man darüber rätseln, weshalb es diesmal bei einem Fachgruppenbestand von 44 Nasen gleich 59 Planetoiden-Freunde nach Berlin verschlagen hat. Jedenfalls ist es sehr erfreulich, wie die Teilnehmerzahlen der Kleinplaneten-Tagungen von Jahr zu Jahr zulegen. Zweifellos hat dies mit dem Thema an sich, dem immer attraktiven Tagungs-Programm, aber auch mit den jeweils anwesenden Kleinplaneten-Cracks zu tun. Das deutschsprachige Zentraleuropa ist ja Wirkungsort gleich mehrerer Spezialisten, die auch im internationalen Vergleich einen sehr guten Job machen. Ein Kränzlein sei aber auch dem Fachgruppenleiter Gerhard Lehmann gewunden. Der Drebacher versteht eben nicht nur, seine Kleinplaneten (und seine exzellente Homepage zu diesem Thema!) zu hüten und zu pflegen, sondern kann eben auch sehr gut mit den etwas speziellen Menschen dieser Szene umgehen. Denn Kleinplanetler sind im Grunde genommen nicht ganz einfach strukturierte Individualisten, die lieber in den heimischen Refugien ausspähen, scharren und grübeln, als sich "coram publico" in ihr Wissenskämmerlein blicken zu lassen ...

Doch damit zum eigentlichen Tagungsbericht: 

Im Namen der gastgebenden Archenhold-Sternwarte begrüsste Professor Dr. Dieter B. Herrmann mit freundlichen Worten die Anwesenden. Seinem Einverständnis ist es massgeblich zu verdanken, dass die Fachtagung im prächtigen Einstein-Saal stattfinden konnte. Der Gastgeber verwies auch auf den vor ihm liegenden 4-zöllige Leitrefraktor, mit dem anno 1898 Gustav Witt auf der Berliner Urania die Planetoiden Berolina und Eros entdeckt hatte.

Schwaches Licht mit Variationen
Mit seinem Referat über die "Astrometrie lichtschwacher Objekte" gelang Herbert Raab aus Linz gleich mal ein fulminanter Einstieg in den bunten Vortragsreigen. Dass die Linzer mit ihrem so prächtigen 60cm-Spiegel auf einer computergesteuerten Leichtbaumontierung mittlerweile die 22. Grössenklasse kitzeln, hat auch mit der konsequenten Optimierung der Aufnahmetechnik zu tun. Herbert Raab zeigte anhand systematischer Überlegungen, wie das Verhältnis Signal-Hintergrundrauschen verbessert werden kann: Verlängern der Belichtungszeit bringt wenig. Schon besser ist da die Bildaddition und auch das Zusammenfassen von Pixel im 2x2 oder 3x3-Binning-Modus. Der Einsatz grösserer Teleskope kann vor allem in lichtverseuchten Gegenden oder bei beeinträchtigen Sichtbedingungen sogar das Gegenteil bewirken und das schwache Objekt im Rauschen ertrinken lassen. Diese Aussage  war dann Balsam auf die Wunde all jener Sternfreunde, die mit bescheidenen 20- oder 30cm-Röhren arbeiten und an ihrem Standort inmitten der städtischen Lichterfülle doch soooo viel lieber mit einem 1m-Spiegel nach den Asteroiden greifen würden. 

Arno Gnädig zeigte mit einigen prächtigen Simulationen, wie sich die Lichtspur in einem Asteroiden-Trail aufbaut. Mit seinem Thema "Abbildungseigenschaften bewegter Lichtquellen auf Film und CCD-Frames" liess sich der Spezialist für das Aufspüren von Asteroiden-Spuren in DSS-Platten ein wenig in seine reich assortierten Karten mit vielen Trümpfen gucken. Überraschend war sicher die Erkenntnis, dass bei den Trails jeweils ganz aussen, dort wo die Lichtspur ins Rauschen übergeht, gemessen wird. Und auch die Erkenntnis, dass überbelichtete Aufnahmen ein sauberes Messen praktisch verunmöglichen, wurde von Arno Gnädig überzeugend dargelegt.

Ein beeindruckendes Instrumentarium, wenn zum Teil auch mit antiquierten Rechnern, setzt Dr. Helmut Denzau aus Heisingen für die Photometrie von aussergewöhnlichen Ereignissen im Reich der Planetenmonde sowie bei ausgewählten Asteroiden ein. Bei der Kurzzeit-Photometrie arbeitet er mit Belichtungszeiten vom 20 Millisekunden bis zu einer Sekunde, was vor allem bei der gegenseitigen Bedeckung von Planetenmonden nötig ist. Wie der Referent dann am Beispiel des Asteroiden (4179) Toutatis darlegte, ist der Nachweis von Rotationslichtkurven mit der langsamen Photometrie ein sehr anspruchsvolles Spezialgebiet, das viel Erfahrung erheischt.

Wo steckt denn nur mein Asteroid?
Hinter dem Kürzel LOV steckt ein sehr wichtiges Tool für all jene Kleinplanetenbeobachter, die entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft "ihren" Kleinplaneten suchen. Die "Line of Variation", so zeigte Arno Gnädig in seinem zweiten Referat, ist die auf eine Linie reduzierte und entsprechend handliche Such-"Ellipse", in der sich der vermisste Planetoid aufhält. Da bei den Positionsabweichungen die Bahnelemente "Grosse Halbachse" a, "Exzentrizität" e und "Mittlere Anomalie" M dominieren, kann die eigentliche Fehlerellipse, der "Zeppelin am Himmel", auf eine Linie reduziert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass beim Abscannen dieser Linie die gesuchten Kleinplanet auch tatsächlich gefunden wird, ist entsprechend hoch. Und Arno Gnädig ist selber der lebendige Beweis, dass diese Suchmethode auch bei den Pre-Coveries bestens funktioniert.

Axel Martin aus Mülheim stellte das Astrometrieprogramm "Canopus" näher vor. Wie alle anderen modernen Messprogramme verwendet es hochautomatisierte Features. Doch ähnlich wie Computer Aided Astrometry CAA gehört "Canopus" im deutschsprachigen Raum eher zu den Exoten. Bedauerlich ist ferner, dass "Astrometrica for Windows" und "Easy Sky Pro" heute noch immer nicht in abgeschlossenen Versionen erhältlich sind, wie Matthias Busch in seinem anschliessenden Referat darlegte. Das "Fine Tuning" solch komplexer Programme ist offenbar eine sehr zeitintensive Arbeit. Und solch gute Leute wie die Entwickler von Astrometrie-Programmen haben eben neben der Kleinplanetenarbeit auch noch ein klein wenig anderes in Beruf und Familie zu tun ... 

Werner Hasubick gehört mit seinem visuellen Beobachtungen von erdnahen Objekten zu den stehenden Werten jeder Kleinplanetentagung. Mit seinem 44cm-Newton und dem 20cm-Meade sind ihm mittlerweile schon zahlreiche NEOs ins Netz oder im wahrsten Sinn des Wortes ins Auge gegangen. Da er seit wenigen Wochen auch seinen Station Code bekommen hat, wird man aus Buchloe künftig wohl weniger visuelle und mehr elektronisch angereicherte Nachrichten erhalten(?)

Trojaner und entschwindende NEOs
Dr. Gerhard Hahn vom DLR erweist verdienstvollerweise jedem Kleinplaneten-Treffen seine Referenz. Der geschätzte Profi referierte diesmal über die besonderen Eigenschaften der Trojaner, von denen momentan 625 im L4- und 382 im L5-Punkt ihr komplexes Kräftespiel mit dem Planetenriesen pflegen. Saturn verfügt aufgrund der instabilen Verhältnisse über keinen Trojaner, auch die Erde ist trojanerlos, hingegen wurden bei Mars schon fünf dieser besonders gebundenen Planetoiden nachgewiesen. 

Aus dem Linzer Team berichtete Erich Meyer über seine immer wieder aufsehenerregenden Follow-up-Beobachtungen an erdnahen Objekten. Er hat sich darauf spezialisiert, in den jeweiligen Oppositionen gewissermassen die Abschlussbeobachtungen beizusteuern. Da er sich ganz gezielt auf wenig beobachtete Objekte jenseits der 20. Grössenklasse konzentriert, konnte er schon oft zu erheblichen Bahnbogenverlängerungen beitragen. Diese erleichtern dann das Wiederauffinden der Objekte in der nächsten Opposition, sofern nicht durch schlechte Positionsmessungen die Bahn "verbogen" wird. - Mag sein, dass diese sehr verantwortungsvolle Arbeit im Gegensatz zu einer Confirmation in der Öffentlichkeit weniger Beachtung findet. Doch alle Kenner der Asteroiden-Szene und insbesondere auch das Minor Planet Center wissen sehr wohl, dass Erich Meyer und sein Team mit diesen oft abschliessenden Follow-ups einen ungemein wertvollen und weltweit auch so ziemlich einzigartigen Beitrag leisten. - Bravo und weiter so, liebe Freunde aus Österreich!

Futter für die informationshungrige Öffentlichkeit
Zwei Sachsen ins All geschickt haben zumindest symbolisch Jens Kandler und Gerhard Lehmann aus Drebach. Mit ihren Asteroiden-Bennennung zweier Drebacher-Asteroiden nach dem ersten deutschen Kosmonauten Sigmund Jähn (17737) und dem verdienten Astronomie-Lehrer und Sternwarte-Begründer Edgar Penzel (19022) setzte die Drebacher Sternwarte die Ehrung lokaler Persönlichkeiten fort.

Die beiden öffentlichen Vorträge zum Abschluss des Samstages zu "200 Jahre Asteroiden-Forschung" lösten zwar im eigentlichen Zielpublikum der Öffentlichkeit einen nicht gerade überwältigenden Besucheraufmarsch aus, doch André Knöfel rief mit seinem historischen Exkurs auch gar so manchem gestandenen Asteroiden-Spezies wieder mal die historischen Wurzeln seines Tuns ins Gedächtnis. Allzu gerne vergessen wir  CCD-Gurus, Computer-Cracks und Internet-Muftis, dass unser heute so rasantes Tun auf dem mühevollen Gucken durch unhandlich lange Linsenröhren und wochenlangem Rechnen mit endlosen Tafelnwerken und seitenlangen Formel-Umsetzungen unserer Vorfahren basiert.

Ein Hochgenuss fürs Auge bot abschliessend zur samstäglichen Vortragsrunde Thomas Payer aus Essen ebenfalls mit seinen prächtigen Aufnahmen der Polarlichter, wie sie im vergangenen April über Zentral- und Nordeuropa zu sehen gewesen sind. Vor allem die auf dem Gelände der Walter-Hohmann-Sternwarte entstandenen Aufnahmen mit der Kugelspiegelkamera vermochten zu begeistern. 

Italienisches Intermezzo
So war man und frau nach einem ersten anstrengenden Tagungstag bestens gerüstet für das von Andreas Doppler reservierte typisch italienische Abendessen im gastlichen "Isola Verde". Manch einer aus der Tagungsgemeinde gedachte dort zwischen den reichlich dargebotenen Pizzen, Tortellini und Caneloni und unterstützt durch einen vollmundigen Wein aus südlichen Gefilden auch noch ganz kurz dem seligen Giuseppe Piazzi. Denn dem Dominikaner-Mönch aus dem fernen Sizilien war wohl vor 200 Jährchen trotz seiner epochalen Ceres-Entdeckung ein etwas weniger opulentes Mahl beschieden ...

Von Brauen Zwergen und anderen dunklen Sternen
Dr. Freimut Börngen, der liebenswürdige Fachastronom aus Tautenburg, der trotz seines in vollen Zügen genossenen Ruhestandes noch immer lebhaft Anteil nimmt am Kleinplaneten-Geschehen, startete am Sonntagmorgen für einmal mit einem etwas besonderen Thema. Die erst seit 1995 bekannten "Braunen Zwerge" bildet in Grösse und physischen Eigenschaften gewissermassen das Bindeglied zwischen Sternen und Planeten. Die in Schulstunden so oft gehörten Fragen "Was ist ein Stern? - Und was ist ein Planet?" erfuhren durch die Brauen Zwerge eine neue Dimension und sind heute nicht mehr so klar und so eindeutig zu beantworten. Freimut Börngen, der seine Ausführungen mit einigen Folien begleitete ("Dies ist mein Laptop!"), gab mit seinen Ausführungen einen lebendigen Einblick in aktuelle Erkenntnisse und Fragen auf diesem Spezialgebiet.

Dass man mit Hilfe von Sternbedeckungen auch zu Erkenntnissen über Grösse und Form von Kleinplaneten gelangen kann, dokumentierte Mike Kretlow aus Siegen und zugleich europäischer Vertreter der IOTA. Besonders wichtig sind die "Last Minute Predictions", weil sie den ursprünglich auf mehrere hundert Kilometer veranschlagten Verdunklungskorridor auf wenige Kilometer eingrenzen. So bleibt dann den Beobachtern, die mit schwerem Geschütz extra ins mutmasslichen Verfinsterungsgebiet fahren, einiges an Ärger und Frust erspart.

Die in Berlin beobachtete Verfinsterung des Sternes HIP 103334 durch (476) Hedwig war das Thema gleich von zwei Referaten. Wie Sven Anderson aus den zusammengefassten Auswertung eigener und mehrerer weiterer Berliner Beobachter darlegen konnte, dürfte Hedwig etwa 130 x 90 km Ausdehnung haben. Der erst 15-jährige Kai Schmitz von der Wilhelm Förster-Sternwarte heimste nach der Präsentation seiner offenbar bei einem "Jugend-Forscht"-Wettbewerb preisgekrönten Arbeit über die anspruchsvolle astrometrische Auswertung seiner Beobachtungsresultate einen besonders herzlichen Applaus ein. Schade war dabei eigentlich nur, dass nicht mehr Kolleginnen und Kollegen von der WFS den Weg ins nahegelegene Treptow gefunden haben. - Ob hierzu wohl mehr als nur räumliche Distanzen zu überwinden gewesen wären ...?

Blicke in die Zukunft
Auf der Zielgerade der Tagung stieg dann der unermüdliche Arno Gnädig zum dritten Mal in die (Referenten-) Hosen. Nach Entdeckungen und den bei schnellen NEOs besonders wichtigen Follow-ups gelten die Recherchen-Programme ANEOPP und DANEOPS als dritte Säule in den weltweit momentan hochaktiven NEO-Surveys. Doch der Referent, bekannt für seine selbstkritisch-satirischen und erfrischend offenen Meinungsäusserungen, sieht in den Suchprogrammen trotz zahlreicher Pre- und Re-Coveries nur ein "halbes drittes Bein". Kontrovers wurde vom Plenum auch seine ziemlich düstere Einschätzung beurteilt, die momentan sehr aktiven Such-Programme seien ab 2005 leider "so ziemlich tot"!

Auch Dr. Gerhard Hahn meldete sich nochmals mit einer Präsentation zu Wort. Nach dem Ende des französisch-deutschen Projektes ODAS ist offenbar jetzt ein Teamwork zwischen Italien und Deutschland im fortgeschrittenen Aufbau. Das Projekt ADAS will mit der 67cm-Schmidtkamera der italienischen Sternwarte Asiago und einem 2048x2048-Chip in jenen Gebieten nach NEOs suchen, die von den grossen Surveys eher vernachlässigt werden, d.h. also in Gegenden mit E >90° vom Oppositionspunkt. Auf die Resultate darf man gespannt sein. Wir europäischen Amateure rüsten uns jedenfalls schon jetzt für die dereinst notwendigen, zusätzlichen Follow-ups: Ehrensache, liebe ADAS-Leute, dafür kühlen wir unsere CCDs schon heute runter ... 

André Knöfel, der von Berufs wegen emsig Wetterdaten sammelt und verteilt und dazwischen mit seinem DAPS gar so manchem Mainbelter schon den Weg zum Multi-Opp-Objekt gewiesen hat, liess sich auch noch kurz in seine Zauberkiste blicken. DAPS ist heute ein 5-Mann-Unternehmen geworden, hat bis Juni 2001 insgesamt 543 Kleinplaneten untersucht und zahlreiche Erfolge verbucht. Bei 261 nummerierten Kleinplaneten konnte DAPS nach Auflistung des Düsseldorfers gewissermassen Hebammendienste leisten. Der grösste Erfolg, der inzwischen in die Kleinplaneten-Geschichte eingegangen ist, war zweifellos das Rückverfolgen des Kleinplaneten (20'000) Varuna gleich in mehreren DSS-Platten. Dieser herausragende Erfolg des André Knöfel und seines Heppenheimer Kollegen Reiner Stoss brachte amerikanische Publizisten dazu, für die Entdeckungsmeldung sogar die ö-Pünktchen für Andrés Namen hervorzukramen. Und das will bei den ausgesprochen sprachfaulen Amerikanern wirklich was heissen!

Zahlen und andere Appetithäppchen zum Abschluss
Gerhard Lehmann ist nicht nur der rührige Obmann der Fachgruppe Kleinplaneten, sondern auch ein begnadeter Statistiker - enge Freunde reden sogar von einem richtigen Zahlen-Fetischisten. Und so servierte der sympathische Drebacher all jenen, die sein umfangreiches, vollständiges und jederzeit auf dem neusten Stand gehaltene Zahlen-, Daten- und Faktenmaterial nicht schon ohnehin von der Kleinplanetenseite her bestens kennen, ein Konzentrat seiner Statistiken. Fazit: Die heute 44 Fachgrüppler, die insgesamt 25 IAU-Station-Codes in sich vereinigen, sind im Jahr 2000 wieder mal fleissig, sogar sehr fleissig gewesen und nicht nur beim Beobachten ...

Eigentlich wäre dieser in bildhübsche Graphiken verpackte Datenfriedhof der passende Tagungsschluss gewesen, doch Erwin Schwab zog mit seinem Referat "Vier 611er auf dem Calar Alto" nochmals allen anwesenden Sternfreuden so richtig den Fisch durchs Maul: Zusammen mit drei weiteren Heppenheimern stand er nämlich im Januar in Südspanien mit dem dortigen 1,53m-Teleskop (samt eigenem Nachtassistenten!) im NEO-Einsatz. Was er von diesem Aufenthalt in luftiger Höhe an Dias zeigte, brachte gar so manchen streulichtgeschädigten Zuhörer ins Träumen. "In wenigen Tagen", so kündigte Erwin Schwab am Schluss seiner Ausführungen an, "sind wir wieder in unten in Spanien", und erntete dafür ein stillschweigendes "Warum nicht auch ich?" So aber war diese Aussicht auf eine faszinierende Reise in ein Zentrum modernster astronomischer Forschung vielleicht doch der bessere Tagungsschluss, zumal den meisten Tagungsteilnehmern noch eine anstrengende Rückfahrt bevorstand. Und die gab angesichts der heutigen Verkehrsdichte entschieden weniger Anlass zum Träumen.

Auf Wiedersehen in Sonneberg!
So ging im gastlichen und weltoffenen Berlin erneut eine rundum erfreuliche Kleinplaneten-Tagung zu Ende. Und bereits beginnt wieder die Vorfreude fürs nächste Mal, - dann im Thüringer Wald: Dank der freundlichen Bereitschaft von Dr. Peter Kroll darf die Fachgruppe vom 21. bis 23. Juni 2002 in der berühmten Sternwarte Sonneberg zu Gast sein. Wer dann immer noch nicht genug von gemeinschaftlich analysierte Kleinplaneten-Themen hat, reserviert sich den 29. Juli bis 8. August 2002 wieder in Berlin: Das DLR lädt dann zu einer internationalen Tagung, an der laut Aussagen von Dr. Hahn ausdrücklich auch engagierte Amateure willkommen sind. Mitzubringen sind unter anderem solide Englisch-Kenntnisse ...

Markus Griesser


 
 

Impressionen von der Tagung und den abendlichen Treffen



 
 
 

Siegfried Gebhard (#639)
Jens Kandler (#113)
Erwin Schwab (#611)

Arno Gnädig (DANEOPS)

Gerhard Lehmann (#113)

Fam. Börngen (#033)
Fam. Griesser (#151)

Andreas Doppler (DANEOPS)

Katrin Lehmann (#113)

Herbert Raab (#540)

Dr. Peter Kroll (#031)

Reiner Stoss (#611/DANEOPS)
Markus Griesser (#151)

Christian Glowinski (DAPS)

Matthias Busch (#611/DANEOPS)

Michael Dohrmann (#604)

André Knöfel (#636/DAPS)

Andreas Doppler (DANEOPS)

Dr. Gerhard Hahn (DLR/DANEOPS)
 
Tagungsprogram
Vortrag Referent(en)
Sonnabend, 9. Juni 2001
09.00 - 09.15 Begrüßung Prof Dr. Dieter B. Herrmann, Berlin
Gerhard Lehmann, Drebach
Andreas Doppler, Berlin
09.15 - 09.40 Astrometrie lichtschwacher Objekte Herbert Raab, Linz
09.40 - 10.00 Abbildungseigenschaften (bewegter) Lichtquellen auf Film/CCD Arno Gnädig, Berlin
10.00 - 10.20 Probleme bei der photometrischen Auswertung von CCD Reihenaufnahmen Dr. Helmut Denzau, Heisingen
Pause
10.40 - 11.10 Positionberechnung und die "Line of Variation" Arno Gnädig, Berlin
11.10 - 11.30 Das Astrometrieprogramm "Canopus"  Axel Martin, Mülheim/R.
11.30 - 11.50 Astrometrie mit EasySkyPro Matthias Busch, Heppenheim
11.50 - 12.00 Visuelle Beobachtung von NEO's Werner Hasubick, Buchloe
12.00 - 12.10 Gruppenbild
Mittagspause - Imbiß
14.00 - 14.40 Die besonderen Eigenschaften der Trojaner Asteroiden Dr. Gerhard Hahn, Berlin
14.40 - 15.05 Follow-up-Beobachtungen an der Sternwarte Davidschlag (540 Linz) Erich Meyer, Linz
15.05 - 15.25 Jähn und Penzel - zwei Sachsen im All Jens Kandler, Drebach
Pause
Öffentliche Vorträge
16.00 - 17.00 Asteroidenjäger - 200 Jahre Kleinplanetenforschung André Knöfel, Düsseldorf
17.00 - 17.15 Die Polarlichter im Frühjahr 2001 Thomas Payer, Essen
Sonntag, 10. Juni 2001
09.00 - 09.30 Braune Zwerge - Bindeglied zwischen Planeten und Sternen Dr. Freimut Börngen, Jena
09.30 - 09.50 Sternbedeckungen durch Kleinplaneten - Voraussagen, Updates und Ergebnisse Mike Kretlow, Siegen
09.50 - 10.10 Bedeckung von HIP 103334 durch (00476) Hedwig Sven Andersson, Berlin
10.10 - 10.30 Astrometrische Auswertung von einer Sternbedeckung durch (00476) Hedwig Kai Schmitz, Berlin
Pause
10.50 - 11.05 ANEOPP und DANEOPS - die 3. Säule der weltweiten NEO - Surveys ? Arno Gnädig, Berlin
11.05 - 11.15 ADAS - das neue Asteroidensuchprogramm des DLR in Asiago Dr. Gerhard Hahn, Berlin
11.15 - 11.25 Ergebnisse und Ziele des DSS Asteroid Precovery Survey André Knöfel, Düsseldorf
11.25 - 11.45 Ergebnisse und Ziele der Arbeit der FG Kleine Planeten Gerhard Lehmann, Drebach
11.45 - 12.05 Vier 611er auf dem Calar Alto Erwin Schwab, Offenbach
12.05 - 12.15 Schlußwort
 

 
Letzte Änderung: 19.6.2001  19:35 MESZ